Kambodscha – wo der Zuckerrohrsaft fliesst

Daniela (01.03.10)

 

Kurz vor der Einreise nach Kambodscha haben wir uns über Einreiseformalitäten und über das Essen informiert, uns sollten korrupte Beamte und gute Curries erwarten. Beides bestätigt sich direkt am ersten Tag. Die Dollars zahlen wir aber nur für die Curries.

 

Die ersten zwei Tage fahren wir auf kaum befahrenen Nebenstrassen, die Kinder rufen unermüdlich „Hello" und nicht mehr „Sabaidee" und am Strassenrand wird öfter mal Zuckerrohrsaft mit viel Eis verkauft - eine herzlich willkommene Erfrischung. Auf dem Weg nach Kratie fahren wir eine lange Etappe, bei Sonnenuntergang erreichen wir den Mekong und sehen gerade noch ein paar Irrawady Delfine.

 

Die nächsten Etappen folgen dem Mekong, die Strassen sind staubig und die Dörfer endlos. Und endlos ist somit auch das Hello-Spiel der Kinder... bis wir am Ende des Tages - atemlos - nur noch ein leises „Hello" zurückraunen und nur noch müde das Winken erwiedern.


Nach Sonnenuntergang sehen wir die Khmers mit ihren Pyjamas auf der Strasse, für uns ein eindeutiges Zeichen, noch etwas Essbares zu ergattern, denn die Restaurants schliessen früh. Es ist schon eine Weile her, seit wir zum letzten Mal auf unserer Reise Muslime getroffen haben, am vierten Tag sehen wir einige Moscheen, viele verhüllte Frauen und wir treffen auch wieder auf die grosszügige muslimische Gastfreundschaft.

 

Abseits des Mekong landen wir schnell auf Hauptstrassen (so viele Strassen gibt es in Kambodscha auch wieder nicht), manchmal die einzige Alternative. Dies ist eher unangenehm, denn die kambodschanischen Neureichen mit ihren Stadttraktoren und die Busfahrer brettern mit abartigster Geschwindigkeit und minimalstem Abstand an uns vorbei. Am dritten Tag Hauptstrasse dann die Massnahme, um die unaufhörlichen Adrenalinschübe zu reduzieren: Daniela montiert am Velo einen langen Ast mit buntem Plastiksack als Abstandhalter. Der Erfolg ist leider mässig, Rücksichtslose bleiben Rücksichtslose.

 

Die kambodschanische Landschaft zeigt sich abseits des Mekong relativ trocken, flach und uninteressant. Einzig die badenden Wasserbüffel oder ein Zuckerrohrsaftverkäufer bieten eine nette Abwechslung. Fast alle 100 km gibt es einen grösseren Ort mit gut ausgestattetem Markt und Restaurants. Selbst auf Nebenstrassen ist unser Leben sehr bequem, denn es gibt viele kleine Märkte oder auch Verkäufer, die von Mopeds aus Sandwiches und Zuckerrohrsaft verkaufen. Die Khmer freut's, uns auch.

 

Kambodscha hat aber längst nicht nur langweilige Landschaften zu bieten, wie der werte Leser nun denken könnte. Die Tempel von Angkor sind trotz der vielen Touristenmassen sehr beeindruckend und so sind es auch die schwimmenden Dörfer auf dem Tonle See.

 

Über eine kleine Staubstrasse kommen wir nach Pailin, das Grenzstädtchen zu Thailand und ehemaliges Hauptquartier der Khmer Rouge. Die Landschaft wird etwas abwechslungsreicher und grüner je mehr wir uns Thailand nähern und der Staub dringt in alle Ritzen und Poren von uns und unseren Rädern ein. Wieder einmal erreichen wir Staubhöchstwerte, so dass wir in Pailin gleich alle Velotaschen, Kleider und natürlich uns selber unter die Dusche stellen.

 

20 Kilometer hinter Pailin kommt dann die Grenze zu Thailand und einmal mehr sind wir erstaunt, wie sichtbar eine unsichtbare Landesgrenze ist. Plötzlich sind die Strassen asphaltiert, plötzlich gibt es mehr Verkehr, plötzlich zeigt sich die Landschaft in üppigem Grün und hübschen Blumen und plötzlich tauchen alle 20km Seven-Eleven-Shops auf, die uns erfrischend kalte Getränke (in Kühlschränken!) und jeden erdenklichen Zwischensnack bescheren. Thailand ist wahrlich ein Schlaraffenland.

 

Vientiane – 4000 Inseln – durch Südlaos, wo das Leben immer langsamer wird

Daniela (02.02.2010)

 

Nach Vientiane folgt die Strasse meist dem Mekong. Die Landschaft ist im Vergleich zum Norden relativ flach und trocken. Meistens ausgetrocknete und seltener auch mal bewirtschaftete, saftiggrüne Reisfelder wechseln sich ab, da und dort eine Kokospalme, am Strassenrand räkeln sich die Wasserbüffel im Schlamm, die in der Hitze ein bisschen Abkühlung suchen und von Zeit zu Zeit hüpft ein Geisslein, ein Kälblein oder eine Schweinefamilie über die Strasse.

 

Wir drehen eine Runde in Richtung Vietnam. In Kong Lor fahren wir auf einem Fluss, der sich mitten durch einen Berg gefressen hat und ein riesiges, durchgehendes Höhlensystem hinterlassen hat, das man per Boot durchfahren kann. Es ist eindrücklich und dunkel und wir können die gigantische Dimensionen der Höhlenräume im fahlen Stirnlampenlicht unserer Führer nur erahnen. Wir fahren weiter durch wunderschöne Karstlandschaften - steile, bewachsenen Kalkfelsen stehen wie überdimensionale Spielfiguren in der Landschaft. Dann gelangen wir an den grossen, neuangelegten Stausee - die Strasse führt auf aufgeschütteten Dämmen mitten hindurch - wo riesige Landflächen einfach unter Wasser gesetzt wurden und die im Wasser stehenden Bäume nun langsam absterben. Ein bizarres Bild. Es soll angeblich das grösste Staudammprojekt in Laos sein.

 

Wir kommen nach Thakaek, das nun wieder am Mekong liegt. Ein paar dem Verfall überlassene Häuser aus der französischen Kolonialzeit zieren die Mekongpromenade, sonst gibt es hier nicht viel zu sehen. Wir ziehen weiter nach Savannaket. Auch diese Stadt bietet ein ähnliches Bild.


Da wir unser Laosvisum nun wieder erneuern müssen, fahren wir in Savannaket über die Mekongbrücke nach Thailand. Ein wahres Schlaraffenland bietet sich uns hier! Es gibt richtige Läden und einen wunderbaren Nachtmarkt mit allerlei frisch zubereiteten Köstlichkeiten. Wir sind begeistert und geniessen es, unsere Nudelsuppen- und Klebreisdiät mal zu unterbrechen, der man in Laos - ob man will oder nicht - schlicht ausgeliefert ist! Wie isst man eigentlich Suppe ohne Stäbchen? Wir h aben uns das vor kurzem gefragt, kein Witz. Wir radeln nun drei Tage auf der thailändischen Seite des Mekong und verzehren jedes Padthai oder Glacé mit Hochgenuss. In Thailand gibt's jetzt übrigens dicke Leute, jede Menge. Und auch sonst noch ein paar Unarten wie zum Beispiel diese Riesenautos (eher Stadttracktoren). Bei Pakse wechseln wir wieder auf die laotische Seite. Und die Nudelsuppenkur beginnt erneut.

 

In Pakse treffen wir Claudine (sie hat mal kurze Zeit in unserer Wohnung gewohnt) und ein Treffen mit ihr hat sich zeitlich gerade wunderbar ergeben. Nach einem gemeinsamen Tagesausflug auf die Mekonginsel Don Kon, wo man den Bewohnern beim Seidenweben zuschauen kann, trennen sich unsere Wege aber bereits wieder. Wir fahren auf das Bolavenplateau, das Kaffeeanbaugebeit von Laos. Hier kommt also der Laokaffee her! Die Leute sind gerade bei der Kaffeeernte und vor allen Häusern liegen die Kaffeebohnen zum Trocknen ausgebreitet. Das Plateau liegt etwa auf 1300m ü.M. und es ist spürbar kühler als in der Mekonebene. Anschliessend kehren wir wieder an den Mekong zurück und besuchen bei Champasak das Wat Phu, eine Ruine aus der Khmerzeit. Die Tempelanlage berauscht uns nicht sonderlich. Da gerade das alljährliche Wat Phu-Festival stattfindet, hat es viele laotische Pilgerer, die hier beten, überall Klebreis als Opfergabe hinpappen, tausende von Räucherstäbchen anzünden und auch noch ihren Müll überall deponieren, was das Ruinengelände bei Tageslicht eher einem Schlachtfeld gleichkommen lässt. Zum Glück bricht aber bald die Nacht ein, die all den Müll in der Dunkelheit verschluckt, ein tiefroter Vollmond geht auf und die ganzen Silhoutten des Wat Phu werden speziell zu diesem Anlass mit tausenden von Kerzen beleuchtet. Schön!

 

Jetzt ist die Kambodschanische Grenze nicht mehr weit. Der Mekong verästelt sich in komplizierter Weise und es entsteht eine Landschaft mit unzähligen Inseln - die sogenannten 4000 Inseln. Wir fahren auf die grösste Insel, Don Kong, wo das Leben nur noch reine Gemütlichkeit ist.

 

Ja, das laotische Leben wird zunehmend ruhiger, je südlicher man kommt. In den Dörfern kommen die Kinder zwar noch immer an den Strassenrand gerannt und winken uns freudig zu, sonst aber regt sich in den Dörfern nicht viel. Es ist heiß. Das Leben der Laoten spielt sich in Zeitlupentempo ab. Wenn mal jemand etwas macht, dann sicher eine Frau, Männer rühren hier keinen Finger. Da und dort schaukelt gemütlich eine Hängematte im Schatten, aus irgendeiner Ecke dröhnt laotische Popmusik. Einzig wenn wir eine Nudelsuppe bestellen, kommt - zwar gemächlich und langsam - ein wenig Regung ins Bild. Immerhin schält sich dann jemand aus der Hängematte, legt dem Feuer unter dem Suppentopf ein bisschen Holz nach, taucht die dünnen Reisnudeln in die Bouillon und zerhackt vielleicht ein paar Kräuter und Salatblätter. Das war's dann auch schon und die Suppe ist fertig und das bisschen Aktivität evaporiert sogleich wieder in der brütenden Hitze und die Hängematte beginnt wieder zu schaukeln... Während wir unsere Nudelsuppen schlürfen.

 

Mengla-Vientiane - durch Nordlaos, 1000 Hügel, 1000 Kinder, 1000 Hundewelpen

Daniela und Matthias (07.01.2010)

 

China haben wir mit zwei weinenden Augen verlassen, wir hätten locker noch einen Monat bleiben können. Das grossartige Essen, die schönen Landschaften, die sieben chinesischen Wörter, die wir können (Hallo, Reis, Danke, Hotel, Tee, Nein, Tofu) - wir vermissen es immer noch.

 

In Laos nehmen wir es erst mal ziemlich locker und fahren recht kurze Etappen, im Norden gibt's zwar noch keine Baguettes (haben die Franzosen in der Kolonialzeit hier eingeführt, das Fondue nicht) aber dafür Klebreis. Wir stellen schnell fest, Laos ist dicht besiedelt, überall kleine Dörfer, die Leute sind deutlich ärmer als in China, leben in Holzhütten. Es gibt hier jede Menge Backpacker und auch jede Menge Radler. Und das obwohl die Region sehr hügelig ist, und sie nehmen kein Ende (oder erst seit Vientiane), die vielen, steilen Hügel. Haben uns die steilen Reisterrassen und Teehügel von Chinas Süden schon viele Schweisstropfen und strenge Bergetappen beschert, so tun es die Laotischen Hügel gleichermassen. Mit dem Unterschied, dass die Laoten vor 10 bis 20%-Steigungen nicht zurückschrecken und die Strassen ständig über ganze Hügelketten gehen und nur selten gemütlich einem Tal entlang.


Es ist schon grossartig hier durch die kleinen Dörfer zu fahren, die Leute sind freundlich, lachen, kommen auf uns zu. Vor 10 Jahren gab es in Laos viel weniger Touristen und auch viel weniger Laoten, es wimmelt von Kindern. In jedem noch so kleinen Dorf rennen ganze Scharen die Hügel hinunter und begrüssen uns mit einem Lauten Sabaideeeee. Und was machen wir? Schön zurückrufen und Hände abklatschen.
Wir planen nach Hongsa und von dort auf einer Nebenstrasse nach Luang Prabang zu fahren. Bis Hongsa gilt es aber noch einige Hügelketten zu überwinden, bis wir an den Mekong kommen. Dort machen wir eine Mekong-Flussfahrt, unsere Velos auf dem Bootsdach. Wir sind nicht alleine, Horden von anderen Touristen teilen das Boot mit uns. In Hongsa wollen wir Elephanten sehen, bei Daniela hat das sogar geklappt (ganz kurz, leider kein Foto), die Strecke nach Luang Prabang ist dann wenig fahrbar, jede Menge 20% Steigungen im Sand, wir können die Velos kaum schieben. Wir können sogar einmal bei einer Laotischen Familie übernachten, alle in einem Raum, ins Bett geht's wenn die Sonne untergeht (viele Dörfer ohne Strom) und waschen tun wir uns am Dorfbrunnen. Die Dorfbewohner beobachten uns „Falangs" beim Waschen , weisse Haut ist exotisch und man ist nicht verklemmt, zum ersten Mal seit Bulgarien. Wie auch immer, es ist Weihnachten, es wird Neujahr. Wir treffen uns mit unseren Freunden aus Oesterreich von www.grandtour.at und fahren ein paar Tage gemeinsam.


Hier in Laos ist alles recht easy, es gibt viele Unterkünfte, oft sogar ein Restaurant zum Mittagessen. Die Laoten sind freundlich, sprechen Englisch und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, nicht mal an Silvester.


Jetzt warten wir in Vientiane auf unser Burma Visum. Im März fahren wir zusammen mit Armin und Eliane nach Burma, ohne Räder.

 

Kunming-Mengla – durch Yunnan, wo Hunde wissen wofür sie leben

Daniela (14.12.2009)

 

In Chengdu steigen wir das erste Mal auf unserer Reise in einen Zug und fahren nach Kunming. Einerseits würde unser Visum nicht ausreichen um die 2000km von Chengdu an die Grenze zu Laos zu radeln, andererseits wollen wir der Kälte entfliehen und erhoffen uns angenehmeres Klima in der Provinz Yunnan.

 

Zug fahren ist eine neue Erfahrung für uns. Problemlos und ohne 'Neins' können wir unsere Velos in den Zug nehmen, müssen diese aber an einem separaten Gepäckschalter einchecken. Danach begeben wir uns mit unseren Velotaschen in die Bahnhofshalle, wo bereits eine ungeheure Masse an Leuten vor vier geschlossenen Gattern am Warten ist. Uns fällt sofort auf, dass die Chinesen noch viel mehr Gepäck rumtragen als wir, denn es türmen sich riesige Säcke mit weiss-der-Hühnervogel was für Inhalten vor dem Gatter. Unsere je vier Velotaschen sind nix dagegen. Ausserdem sind alle um uns herum mit Nudelsuppen, Hühnerfüssen und sonstigen köstlichen Snacks ausgerüstet, so dass uns das ungute Gefühl beschleicht, ob wir für die bevorstehenden 19 Stunden Zugfahrt ebenfalls Nahrung hätten mitbringen sollen... Dann plötzlich öffnet sich das Gatter und das Rennen und Drängeln beginnt! Als ginge es um Leben und Tod. Wir brauchen Ellbogen und Schimpfwörter, um uns durch die drängelnde Masse und durch das schmale Gatter hindurch zu kämpfen, um dann getrost unsere reservierte Hardsleeper-Liege zu suchen. Nun, wozu also diese Drängelei? Wir wissen es nicht. Und der Chinese wohl auch nicht, Schlange stehen kennt man hier sowieso nicht. Wir geniessen die 19-stündige Zugfahrt (zu unserer eigenen Überraschung, denn in China Nachtbus fahren war der wahre Graus dagegen) und kommen entspannt und ausgeruht am nächsten Morgen in Kunming an.

 

Kunming gilt als Stadt des ewigen Frühlings. Endlich wärmer! Die Stadt ist mit einer Million Einwohner relativ übersichtlich und klein, wir können die Stadt angenehm mit dem Velo erkunden. Es geht hier relativ entspannt und ruhig zu und her, nichts von der Hektik und dem bunten Treiben anderer chinesischer Grossstädte, die wir bisher erlebt haben. Wir verbringen hier drei erledigungsreiche Tage: Ketten wechseln, Veloshops abklappern (endlich kriegt das Seiran eine neue Federung!), bessere Karten kaufen, chinesische Massage, Sightseeing, Veloausflug in die Western Hills,... Und wir treffen hier im Hostel, in dem wir wohnen, unerwartet eine ganze Horde von anderen Radreisenden! Witzig, in Kunming kommen sie aus allen Ecken zusammen, all die Chinaradler.

 

Dann fahren wir los, in Richtung Süden, durch die Provinz Yunnan und in Richtung Grenze zu Laos. Was Yunnan alles hat:

 

...Hügel, Hügel, Hügel: Wohin das Auge reicht, hat es Hügel. Zunächst sind sie noch einigermassen sanft und die Täler breit, doch vor Yuanyang werden die Flusstäler zu tiefen Schluchten und die Hügel richtig steil. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mindestens 800 bis 1400 Höhenmeter abstrampeln. Gelobt seien an dieser Stelle die chinesischen Strassenbauer, die die Strassen grundsätzlich über den höchsten Punkt eines Hügels bauen...

 

...Lästige Hunde: In jedem Dorf sind sie, die bellenden, kläffenden und Zähne fletschenden Hunde. Nicht selten rennt uns ein bellender Hund nach, so dass unsere Wädli – meine zumindest auf exakter Hundemaulhöhe - unmittelbar bedroht sind. Zum Glück lassen sich die Hunde meistens relativ leicht abwimmeln. Anhalten reicht oft schon, manchmal muss man das Tier laut und bestimmt anfauchen und wenn das nicht hilft, dann greifen wir zu einem Stein. Noch nie zuvor auf unserem Veloausflug haben wir so viele Hunde gesehen. Der Grund ist einfach: Hunde landen hier auf dem Teller! Streift man durch die Märkte in Yunnan, sieht man sie auf dem Markttisch liegen, alle Viere von sich gestreckt. Bestimmt fragt sich der werte Leser nun, ob wir Hunde lieber am Wädli oder auf dem Teller haben... wir hüllen uns in Schweigen diesbezüglich.

 

...wunderschöne Reisterrassen: Yuanyang ist das viel gelobte Reisterrassen-Mekka, wo man von den umliegenden Dörfern die Reisterrassen bei Sonnenauf- und -untergang betrachten kann. Wunderschön. Wir lassen uns dieses Spektakel nicht entgehen und zahlen dabei auch noch einen netten Eintrittspreis. Eintritt für einen Sonnenaufgang. Die Chinesen wissen, wie sie zu Geld kommen. Uns wundert, dass sie noch nicht entdeckt haben, dass man für das Fotografieren auch noch Geld einkassieren könnte, so wie die Usbeken es zu tun pflegen. Auf unserer Weiterreise Richtung Süden sehen wir noch tausende Reisterrassen (und alle mindestens so schön wie die kostenpflichtigen Terrassen in Yuanyang - wenn wir das gewusst hätten....), die dann, je näher wir an Laos kommen, allmählich von Teeplantagen abgelöst werden.

 

…Wasserbüffel: Gehören Yaks in die Grasländer von Nordsichuan, so gehören Wasserbüffel zu Südyunnan. Sie werden beispielsweise für das Pflügen der sumpfigen Reisterrassen eingesetzt. Wie diese Riesenviecher in die steilen Terrassen gelangen und dabei keine der Terrassenmauern zertrampeln, ist und bleibt für uns allerdings ein Rätsel.

 

...keine Speisekarten in Restaurants: Nun, nicht etwa dass wir diese lesen könnten oder gar verstünden;-), nein, wir sind nicht traurig darüber. Speisekarte beiseite schieben, allen Gästen über die Schulter und in die Teller schauen und die Küche betreten (was natürlich alles immer für viel Aufsehen gesorgt hat), nimmt nun plötzlich ein Ende und das Bestellen wird kinderleicht. Betritt man hier in Yunnan ein Restaurant, wird erstmal ein Kühlschrank geöffnet, in dem sich allerhand gekühltes (!) Fleisch, Fett, Hühnerfüsse, Innereien befindet und man einfach auf das zeigen kann, was man essen möchte. Das Gemüse ist immer in Glasvitrinen ausgestellt und auch dieses bestellt man durch zeigen. Wie dann aber die Gerichte zubereitet werden, bleibt oft doch noch eine Surprise: In Suppenform, frittiert, gedämpft oder gedünstet, ungewürzt oder scharf – dies genau zu spezifizieren überschreitet unsere Chinesischkenntnisse bei weitem. Nun, wie auch immer zubereitet, das chinesische Essen ist und bleibt ein Highlight.

 

Yunnan hat uns nochmals Einblick in ein anderes China gegeben. Andere Menschen, andere Landschaft, andere Sitten, billige Hotels. Auch hier kann ich abschliessend nur sagen: Zwar eine anstrengende und schweisstreibende Etappe, zum Radeln aber wunderschön!

Lanzouh - Chengdu - durchs Land der Yaks

Matthias (19.11.2009)

 

Erst mal radeln wir 50 km den gelben Fluss hoch, die gleiche Strecke hatten wir ja schon mal zurückgelegt. Wir suchen Strasse 213, eine Suche die sich deutlich länger hinziehen wird als gedacht. Hauptstrassen sind normalerweise gut ausgeschildert, diesmal wohl nicht. Wir fragen rum und geraten auf eine steile Passstrasse, nach 80 km endlich die 213 und bald auch Yongjing. Am nächsten Morgen fast das gleiche, wir fragen, wo bitte geht's nach Linxia, unsere Karte sagt uns da führt nur die 213 hin und wir denken wir werden auf diese Strasse gelenkt. Mitnichten, einige steile Höhenmeter später merken wir auf einem Pass, wir sind auf der falschen Seite eines Sees. Wir haben uns verirrt, wissen nicht wo wir sind, wir sind auf einer Strasse die auf unseren 2 Karten nicht eingezeichnet ist. Wir fahren runter zum See, wollen auf einen Truck aufladen. Siehe da, hier gibt's eine Fähre über den See, danach ist es nicht weit bis Linxia. Wir wurden also auf eine deutlich kürzere und wohl auch etwas spannendere Strecke geschickt, vielen Dank. Nur können wir schlecht damit umgehen keine Ahnung zu haben wo wir sind. Am nächsten Tag geht's wieder los, wieder fragen wir rum, wieder fahren wir 30 km bis wir endlich auf der richtigen Strasse sind. Die Leute nehmen hier andere Strassen, unsere Karten sind einfach nicht gut genug.
Wir fahren eine lange Etappe bis hoch nach Xiahe, dort gibt es ein grosses tibetisches Kloster, auf der Strecke werden die Orte jetzt auch auf tibetisch angeschrieben, die Moscheen werden durch Tempel abgelöst. In Xiahe besichtigen wir das Labrang Kloster, grossartig, wir werden von Mönchen eingeladen, wir sehen viele betende Tibeter, die Landschaft ist wunderschön. Das Kloster und die Tibeter riechen nach Butter, das eine Opfergabe das andere Nahrungsmittel. Auf der weiteren Strecke sehen wir immer wieder Yaks, Schafe, Pferde. Diese Tiere weiden zu tausenden auf den jetzt schon braunen Grasflächen. Später erfahren wir, dass diese Tiere auch zu tausenden sterben, bald schon, nämlich wenn der Schnee die Grasflächen bedeckt.
Tagsüber sind die Temperaturen angenehm, die Sonne brennt, der Wind bläst uns ins Gesicht. Vorbei an Hezuo, Luqu, erreichen wir Langmusi, jetzt wird's richtig kalt, es beginnt zu schneien. Langmusi ist beliebt bei Rucksackreisenden, es gibt auch viele Chinesen die so reisen, das ist eingentlich noch ganz interessant für uns, Leute aus Peking oder Shanghai sprechen nämlich meist Englisch und so können wir uns mit ihnen unterhalten.
Wir pedalen immer fleissig weiter hoch, sind jetzt schon seit Hezuo auf über 3000m, die Steigungen sind gut zu machen und die Etappen so, dass wir immer ein einigermassen warmes Hotel finden. Nach Zoige geht's auf langer Etappe hoch auf 3800 m, in der Zwischenzeit müssen wir viele Stopps machen um unsere Hände und Füsse warm zu halten. Nach 100 km sollte laut Karte ein Dorf kommen, wir wollen dort übernachten. Da ist nichts, wir radeln also weiter, alles runter. Als es langsam dunkel wird, halten wir und zelten. Wir schlafen gut, aber in der Nacht gefriert unser Wasser, das Zelt und ein bisschen auch der Schlafsack von Matthias, noch kälter würde mit unserer Ausrüstung nicht gehen.
Jetzt geht's auf kurzen Etappen nach Songpan, wir übernachten einmal in Chuanzhusi, sehr beliebt bei chinesischen Touristen, wir wollen in einen der Nationalparks. Diese Pläne verwerfen wir, das Wetter wird schlecht, so macht Nationalpark keinen Spass. In Songpan verlängern wir problemlos zum zweiten Mal unser Visum. Wir wollen am gleichen Tag weiterradeln und da liegt plötzlich Schnee auf der Strasse, die Temperatur ist über Nacht nochmal um 5 Grad gesunken und jetzt ist die Strasse für uns nicht befahrbar, zuviel Schnee. Am Nachmittag wird's besser und am nächsten Tag radeln wir los, nach 50 km kriegen wir Hände und Füsse nicht mehr warm, unser Wasser gefriert während der Fahrt und die Strasse ist Schnee, Dreck, Schlamm. Wir wollen einen Lastwagen anhalten der uns mitnimmt, so können wir nicht mehr fahren, der Winter ist da. Es herrscht wenig Verkehr, es will uns niemand mitnehmen, wir radeln weiter. Wir sind etwas kraftlos, müde, die Kälte setzt uns zu. Wir fluchen über die Chinesen die sich wenig für unsere Probleme interessieren. Da erscheint uns Gott in Form einer mittelalten Chinesin. Sie ruft uns zu sich, sie sass in einem der Lastwagen die uns erstmal nicht mitnehmen wollten. 2 Lastwagen 4 Männer und eine Frau, diese Leute werden bis zum nächsten Tag unsere Familie, wir laden unser Zeug auf, wir essen, wir verteilen uns auf die 2 Lastwagen. Es beginnt wieder zu schneien, die Strasse verwandelt sich in Schlamm, diese Leute hat uns der Himmel geschickt. Nachts um 1 kommen wir nach holpriger Fahrt und mehreren Tunnels, die für uns Radler ein Alptraum gewesen wären, kommen wir in Chengdu an. Dort übernachten wir alle in einem Hotel für Lastwagenfahrer, dieses Hotel hat mindestens 8 Gebäude und sicher mehr als 1000 Zimmer, der Parkplatz davor ist riesig und es gibt Taxidienste zu den Trucks. Am nächsten Tag gehen wir getrennte Wege, wir in die Chengdu Downtown, unsere Familie weiter nach Kunming. Chengdu zeigt sich erst von der hässlichen Seite, Nieselregen, Smog, extremer Verkehr. In Chengdu gibt's Mc Donalds, Starbucks, KFC, die Hölle ist also gleich um die Ecke;). Es gibt Touristentoiletten mit Sternesystem wie bei Hotels, ab 2 Sternen gibs fliessendes Wasser. Wir brauchen einen Moment bis wir uns zurecht finden, unser Zimmer ist super, wir finden unser Lieblingsgericht, wir machen Besorgungen um unsere Räder wieder auf Vordermann zu bringen und finden fast alles. Die Entscheidung die Bergetappe Strasse 213 in Angriff zu nehmen war gut, leider kam der Winter 3 Tage zu früh, aber den schönsten Teil der Strecke konnten wir radeln. Alles war anders, die Tibeter bauen schöne Häuser, sie nehmen einem mit nach Hause, sie lachen und winken, wenn wir vorbeifahren, die Chinesen sind da eher reserviert. Es hat uns also gefallen bei den Tibetern und die Strecke war richtig schön.

An dieser Stelle noch ein kleiner Auszug zum Thema NEIN, einfach weil wir es gerade mal wieder erlebt haben.
Als Tourist braucht man ja oftmals Dinge. Essen, Kleider, Ersatzteile, Informationen. Wir sind mit Asiaten ja nicht ganz ungeübt, aber in China ist die Antwort meist erstmal NEIN. Wir müssen da mit dem Velo durch, NEIN, wir brauchen eine Kette, NEIN, wir brauchen ein Ticket, NEIN. Wir haben in der Zwischenzeit ein Geschick entwickelt um den Neinsagern beizubringen, dass sie sehr wohl etwas im Angebot haben, was wir kaufen wollen. Wir sind erstaunt, wir haben Asien als „hier ist alles möglich" in Erinnerung. Manchmal ist die Bereitschaft, die Sprachbarrieren zu überwinden und sich auf einen Handel einzulassen sehr klein, wir müssen lange suchen, bis wir jemanden finden, der unser „Problem" lösen will. Wenn man so will, gibt es hier Radshops ohne Ketten, Zahnärzte ohne Spritzen, Hotels ohne Zimmer, Taxis ohne Transportservice und Busse ohne Sitzplätze. Dramatisch ist das nicht, wir werden hartnäckiger, setzen unsere Ueberredungskünste ein, am Schluss klappt immer alles, wie bei den „anderen" Asiaten. Das Ziel ist eben das Ziel und nie der Weg.

 

Turpan - Lanzouh - durch Gansu

Daniela (06.11.2009)

 

In Dunhuang, das am Rande der Taklamakkanwüste liegt, schalten wir nach einer holprigen Nachtbusfahrt zwei Ruhetage ein. Hier gibt es endlich wieder Internet und der Kontakt zur Aussenwelt kann wieder hergestellt werden! Wir besichtigen hier die Magao Caves, eine Ansammlung von unzähligen Grotten mit kleinen sowie riesengrossen Buddhastatuen und Wandmalereien aus der Tan-Dynastie. Eindrücklich. Der Eintrittspreis übrigens auch.

Von Dunhuang aus schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren weiter süsostwärts, entlang des sogenannten Hexikorridors der Provinz Gansu. Liegt Dunhang noch komplett in der Wüste (riesig hohe und wunderschöne Sanddünen gibt es dort übrigens), so ist die Gegend, je östlicher wir kommen, etwas bewachsener (zunächst zwar nur steppenartig, aber immerhin) und es gibt ab und zu wieder ein Dorf und Menschen. Dennoch gibt es immer noch viel Sand und Staub... was wir während eines heftigen Sandsturmes am eigenen Leibe erfahren und am Abend den Sand aus allen Taschenwinkeln, Hautporen und Gehörgängen kratzen können! Nach drei Fahrtagen kommen wir in Jiayuguan an. Hier kann man Mauerreste der Grossen Chinesischen Mauer betrachten und der Ort gilt als das Ende der Grossen Mauer. Alles was hinter, bzw. westlich von Jiayuguan liegt, galt früher als das grosse Nichts. Was wohl heute noch stimmt.
In Jiayuguan wollen wir unser Visum verlängern, leider will uns die Beamtin auf dem Public Security Bureau nur 15 Tage geben. „That's our policy", meint sie. Wir erbetteln 20 Tage, doch auch das ist uns zu wenig, um unsere Chinareise per Velo fortzusetzen. Somit steigen wir in einen Bus und fahren nach Dunhuang zurück, wo uns ohne mit der Wimper zu zucken eine 30-Tage-Verlängerung ausgestellt wird. Da soll man noch die Chinesischen Behörden mit ihren undurchschaubaren „policies" verstehen...

Von Jiayuguan geht die Reise weiter südostwärts, die Gegend ist zunächst noch recht flach. Immer wieder sehen wir Überreste der ehemaligen Grossen Mauer. Diese sind zwar relativ kümmerliche, braune Mauer- und Turmstücke, die sich durch weite Teile der Landschaft ziehen, dennoch fasziniert der Gedanke, dass dies einst die Grosse Chinesische Mauer war, die das chinesische Reich nach Norden abriegeln sollte.
Es gibt hier nun immer mehr Dörfer, abgeerntete Felder und goldgelbe Bäume. Auf Plätzen und Hauseingängen wird überall Mais getrocknet. Der Herbst ist da. Das merken wir auch an den Temperaturen. Die Nächte werden kalt und am Morgen ist es frisch. Wir graben Fleecejacken, Windstopper und Handschuhe aus unseren Taschen und auf der Suche nach einem Hotelzimmer gilt es, möglichst eine heizbare Behausung zu finden.
Bis Lanzhou müssen wir noch zwei Pässe überwinden, der erste ist 2500m hoch, der zweite erreicht fast die 3000er Grenze. Die Etappen sind streng, da neben den Steigungen auch der kalte Gegenwind einem nichts schenkt. Trotzdem werden die schönen, aber harten Etappen am Abend mit leckerem chinesischem Essen belohnt Ein Lob an die chineischen Köche!

Die Einfahrt nach Lanzhou ist hässlich, aber dennoch eindrücklich, denn es ist unsere erste richtig grosse chinesische 3-Millionenstadt. 50km vor Lanzhou gelangen wir an den berühmten Fluss Huang He oder Gelber Fluss. Dieser ist zwar eher braun als gelb, trotzdem schalten wir auf der Brücke, die den Huang He überquert, eine Mittagsrast ein. Danach fahren wir durch Industriegebiet, es stinkt nach irgendwelchen Chemikalien (Matthias Nase kann diese natürlich exakt klassifizieren!) und der Smog wird immer dichter. 20km fahren wir durch Agglomerationen, bis wir endlich in der Downtown von Lanzhou ankommen. Und damit haben wir ein weiteres Etappenziel unserer Reise erreicht!

Nach acht anstrengenden Fahrtagen am Stück, gönnen wir uns in Lanzhou drei Tage um uns auszuruhen, die Stadt zu besichtigen (es gibt da doch einige hübsche Örtchen), Velo zu flicken, Computer zu reparieren und zu shoppen (Mützen müssen her!). Dank des gemütlichen Hotelzimmers mit Internet können wir unsere Reise weiterplanen und neue Pläne schmieden. So kommen wir zur Entscheidung, nicht nach Xian, sonder nach Chengdu zu radeln. Und zwar durch die Berge, am Rande des tibetischen Plateaus, wo wir hoffentlich einen Hauch von Tibet zu spüren bekommen!

Noch eine Anmerkung, die mir wichtig ist. Wir landen durch unsere Radreise ständig in kleinen Städten und Nestern, die an sich nicht schön sind und auch nichts zu bieten haben. Dennoch leben diese Orte von den Begegnungen, die wir dort haben und dem 'normalen' chinesischen Alltag, den wir dort mitbekommen. Wir sehen, wie auf der Strasse ein Huhn geschlachtet wird oder wir treffen auf nette, herzliche Menschen, die uns beispielsweise beim Bestellen des Essens helfen oder uns ein paar chinesische Wörter beibringen wollen. An dieser Stelle ein Lob an unseren Velosausflug: Es ist eine wunderbare Sache, mit dem Velo zu reisen.

 

Kashgar - Turpan - durch Uyguristan

Matthias (14.10.2009)

In Kashgar gibt's keine Kommunkationsmöglichkeiten, die Chinesen haben Internet, int. Telephon und SMS komplett abgedreht. Trotzdem, wir finden in John's Café kurz vor der Abreise eine Nachricht von Katharina und Christoph, sie radeln über die südliche Seidenstrasse. Hmm, wir bleiben bei der nördlichen, können sonst unser Visum wohl nirgends verlängern. Beide Seidenstrassen laufen um die Taklamakan Wüste herum, sind also quasi schon noch in der Wüste. Auf unserer Karte sind immer mal wieder Dörfer eingezeichnet, wir stellen rasch fest, die Karte ist grottenschlecht, so ein Dorf kann von ein paar Häuser ohne Laden bis zu einer Kleinstadt alles sein. Am ersten Abend merken wir schon, dass die Uyguren etwas weniger gastfreundlich sind als die Usbeken und die Kirgisen, wir werden zum Dorfheiligen verfrachtet (der muss uns ja quasi aufnehmen, ist ja ein Muslim) und können dort draussen auf einem Tisch übernachten, es gibt aber einen Dorfbach für Wasser. Die Weiterfahrt wird mühsam, wir machen zwar lange Etappen, haben aber viel Gegenwind und sind lange unterwegs. Mit den Uyguren werden wir nicht so richtig warm, wir werden normalerweise ignoriert, interessant sind das Liegevelo, die Karte und der Velocomputer, da wird kräftig drauf rumgedrückt, aber wir sind denen völlig egal, da ist nix mehr wie bei den Usbeken, kein Tee, keine Melone, nix. Die Uyguren schreien viel, mit ihrer Frau, ihren Kindern, uns. Das Essen ist langweilig, es gibt Nudeln mit Hammel und Gemüse (In Osh noch der Hit) oder gesottenen Hammel, Himmel hilf, wir wollen chinesisches Essen.
Dann Aksu, die erste „Grossstadt", das Vorstadtgetto ist komplett Uygurisch, die moderne Innenstadt Chinesisch. Es wird sich später zeigen, das ist hier immer so, ganz wenig Durchmischung, die Uyguren sind hier Menschen zweiter Klasse. In Aksu werden wir von mehreren Hotels zurückgewiesen (zum Teil nicht so schlimm, da gibt's auch o'clock rooms). In China braucht ein Hotel eine polizeiliche Genehmigung um Ausländer aufzunehmen, die anderen Hotels weisen einen zurück, so ein Hotel zu finden kann schon mal eine Stunde dauern. Wir versuchens mal mit einem 4 Sterne Hotel für 25 Euro, später merken wir, 4 Sterne gibt's auch billiger. Wir kriegen richtiges chinesisches Essen, herrlich. Die Bestellerei ist etwas schwierig, wir fragen nach Englischkenntnissen, ein länger anhaltendes Gekicher unter den Angestellten geht los, Wir imitieren Hühner und Katzen, äh Kühe und das Gekicher artet in Gelächter aus, am Schluss kriegen wir Tofu, auch gut.

Wir schlafen in einfachen Unterkünften an der Strasse (mit sensationellen Toiletten, an dieser Stelle seien die Toilettenbilder herzlichst empfohlen) in normalen und in 4 Sterne Hotels. In Korla kriegt Matthias eine Magen Darm Infektion von der ganz hässlichen Sorte, das grosse Leiden geht los, Spital in Korla, dann weiter nach Turpan (nach 60 km abbrechen, Truck suchen) dort wieder Krankenhaus, hinten auf der Toilette, oben über der Badewanne, das ganze Programm. Eine Woche geht so ins Land, wir beschliessen aus der Wüste abzudampfen und nehmen einen Bus nach Dunhuang, jetzt geht's wieder mit dem Rad weiter, Uyguristan liegt hinter uns, wir trauern nicht.

Die Uyguren und die Chinesen haben eins gemeinsam, sie spucken. Ein Chinese spaziert in einem Park, Daniela auch. Sie ist schneller unterwegs und will den Chinesen rechts überholen. Schlechte Idee, der Chinese beginnt laut Schleim aus seinem Rachen hochzuwürgen, Daniela setzt trotzdem zum überholen an, der Chinese spuckt rechts ran. Rechts ist schon Daniela, die Spucke verfehlt um Haaresbreite.
Fazit: Chinesen und Uyguren nur vorsichtig überholen, hier spuckts!

Anmerkung: Mit Uyguristan meinen wir die chinesische Provinz Xinjang, dort wohnten bis vor 20 Jahren 90% Uyguren, jetzts sinds noch 50%. Uyguren sprechen Uygurisch (ähnlich wie Usbekisch) und können in der Regel kein Chinesisch.

 

Osh - Kashgar

Matthias (25.09.2009)

Bei der Einreise nach Kirgistan gab es weder in mehrfacher Ausführung auszufüllende Dokumente noch Gesundheitschecks, die Kirgisen scheinen uns gegenüber weniger Verdacht zu schöpfen, die haben ja auch schon das Visum ohne mit der Wimper zu zucken rausgerückt. Wir verlassen unsere „Gastfamilie" in Andijan und fahren die paar Kilometer bis Osh, liegt direkt an der Grenze. Es fällt auf: Die Autos sind viel neuer, das Brot ist das gleiche (übergrosser Donut). Wir schliessen Osh nicht sofort ins Herz, wir finden uns nicht so zurecht, es ist laut, es ist staubig, es ist zu schnell. Wir brauchen Stunden um eine Unterkunft zu finden, sind am Abend aber glücklich und zufrieden. Es gibt seit langem mal wieder Nudeln, frisch zubereitet, mit Hammelfett, lecker.

Die nächste Etappe, 7 Fahrtage bis Kashgar wird hart, wir kaufen ein, wir ruhen uns aus. Wir schicken Post nach Hause, wir sehen uns Osh an, es ist uns immer noch zu staubig und zu laut. Wir treffen Erna aus Wädenswil, sie wohnt schon 8 Jahre in Osh, unterrichtet Englisch, es ist gut mit ihr zu plaudern und ihr Zuhause zu sehen.

Dann radeln wir also los, am ersten Tag gleich 1400 Höhenmeter über einen Pass, oben ist es schon relativ kühl, die Dörfer sind klein, es gibt nichts. Die Strasse wird richtig schlecht, es holpert und holpert, es geht meist hoch, manchmal wieder runter. Es gibt Dörfer, manchmal kleine Läden. Wir fragen Leute ob wir bei Ihnen übernachten können, es klappt immer, wir kriegen Brot, Tee, Abendessen, einen Schlafplatz und ein paar rudimentäre Unterhaltungen. Matthias kriegt ernste Probleme mit dem linken Knie, die Hausapotheke kommt zum Einsatz, dafür ist Daniela tierisch fit, hängt jeden Eselwagen ab.

Dann kommt der Taldyk Pass, Matthias muss 800 Höhenmeter Liegerad stossen, das Knie schmerzt, es ist zu steil, die chinesischen Bauarbeiter streuen Sand, man sinkt mit dem Velo 5 cm ein, wie am Strand. Die Chinesen machen hier eine neue Strasse, das dauert wohl noch lange. Wir erreichen Sary Tash, sehen den Pik Lenin. Es ist kalt, die Landschaft ist fantastisch, die Leute leben sehr einfach, die Männer saufen und sind furchtbar primitiv. Wir ruhen uns einen Tag aus und fahren dann nach Nura, Daniela kriegt Kopfschmerzen, die Strasse ist so schlecht, ihr Kopf wird durchgeruckelt. Nura wurde von einem Erdbeben zerstört, die Leute wohnen in Transportcontainern und bauen neue Häuser, wir werden wieder zum Uebernachten eingeladen. Dann über die Grenze nach China. Die Chinesen nehmen es genau, sehen sich jedes Gepäckstück an, kucken was auf unserem Computer drauf ist, aber alles i.O, nach einer Stunde reisen wir ohne Probleme ein.

Jetzt geht's rauf und runter, wir haben Rückenwind, und zwar richtig. Ein Sandsturm zieht auf, wir mieten einen Raum. Die Chinesen in Uluquat sind komisch, alle Männer besoffen, im Shop alles abgelaufen. Naja, wir kaufen trotzdem ein, kochen. Die Polizei kommt, sagt uns das wir keine Chinesen seien und darum diesen Raum nicht mieten dürfen. Wir sagen draussen herrscht Sandsturm, wir wollen nicht weiter. Die Polizei verbietet uns den Raum des Nachts zu verlassen, lässt uns in Ruhe, bedankt sich für unsere Mitarbeit. In der Nacht regnet es, auch in unseren gemieteten Raum.
Die Dörfer sind klein, wir haben Rückenwind, die Männer sind besoffen, die Frauen sonstwo. In Wuqia ist Zivilisation, wir kommen in einem Businesshotel unter, wir Essen bei Lisa, sie ist froh spricht jemand Englisch mit ihr. Dann nach Kashgar, wieder schnell unterwegs. Hier planen wir unsere Weiterreise, wir fragen noch ob sich ein Permit für den Tibet organisieren liesse, unmöglich heisst es, frühestens ab November wieder. Wir entscheiden uns entlang der nördlichen Seidenstrasse weiterzufahren, dort gibt es mehr Dörfer, wir können mehr Leute treffen. Kashgar ist toll, gutes Essen, etwas viele glotzende Chinesen (Matthias und Daniela auf den Velos sind hier sowas wie ein Zoo) und massig Elektroscooter. Elektroscooter sind super, trotz Verkehr kein Lärm, das brauchts bei uns ganz dringend.
Wir stellen fest, die Chinesen sind nicht wie die Asiaten die wir kennen, kein Lächeln, nicht überfreundlich. Die Chinesen schreien, lachen nicht, ignorieren und spucken. Die Chinesen fassen ohne zu fragen alles an (kuck hier seine Hose, wie fühlt sich die wohl an? Kuck hier das Velo, gleich mal dran rumrütteln), aber die sind wohl ganz nett, das läuft hier wohl einfach so. Wir werden sehen.

PS: Vom berühmten Giant Bikeshop in Kashgar sind wir enttäuscht, wir brauchen zwar nicht viel aber viel mehr als mal eine Shimano Kette gibt's da auch nicht. Der Merida Bikeshop noch schlimmer. Ein gescheites Reiserad kann man sich hier nicht kaufen, deswegen werden wir auch schon angesprochen ob wir nicht unseres verkaufen könnten, es gibt hier Interessenten.

 

Usbekistan

Daniela, 15. September 2009

Ein bisschen mehr als drei Wochen haben wir in Usbekistan verbracht, ein Land, dass uns mit Sicherheit in wunderbarer Erinnerung bleiben wird. Wir waren hier auf der Seidenstrasse unterwegs; einerseits weisen uns die Kamel-Symbole auf unserer Karte ständig darauf hin, andererseits zeugen alte Koranschulen, Karavanserais und Moscheen von vergangenen, wichtigen Handelsstädten und Verkehrsknotenpunkten. In Bukhara und Samarkand haben wir viele solche Gebäude gesehen, die Russen haben mit Renovationen nicht gegeizt.

 

Grundsätzlich können wir bezüglich Usbekistan eine nette Lobeshymne singen:

 

Die Verkehrssituation ist, nachdem wir die iranischen Verhältnisse erlebt haben, geradezu entspannt und 'normal' . Es hat hier bedeutend weniger Autos und vor allem weniger Lastwagen auf den Strassen. Ausserdem bremsen hier Autos oder halten gar auch mal an, wenn man als Velofahrer daher kommt.

 

Man fühlt sich hier absolut sicher, denn die salatgurkengrün kostümierten Polizisten – von den Locals  charmant 'Cucumbers'/'Gurken' genannt – sind omnipresent! Immer wieder trifft man auf der Strasse auf Checkpoints, wo diese grünen Polizisten, meist mit dicken Bäuchen und Goldzähnen im Mund wichtigtuerisch herum stehen. Oft wurden wir auch per Handzeichen aufgefordert, anzuhalten. Wozu wissen wir nicht, denn sie wollten bisher nie einen Pass sehen. Mit den Händen in den Hosentaschen stehen sie um uns rum, begutachten und kommentieren Matthias' komisches Velo, fingern auf der Karte auf meiner Lenkertasche rum und sind stolz, wenn sie Tashkent darauf erkennen und fragen noch ein „Akhuda?“, worauf wir mit „Svizzaria“ (Schweiz) antworten. Und das wars dann auch schon und wir ziehen wieder von dannen.

 

Die Leute in diesem Land sind unglaublich gastfreundlich! Mehrmals wurden wir von Leuten eingeladen und konnten bei ihnen übernachten und wurden auch reichlich mit Essen und Chai bewirtet. Obwohl wir weder russisch noch usbekisch sprechen und sich somit die Kommunikation auf ein paar wenige  verständliche Ausdrücke und Hand- und Fusszeichen reduziert, scheinen die Leute unglaublich Freude zu haben, uns ihre Gastfreundschaft zu erweisen. Viele Leute sind auch wirklich arm und es hat mich beeindruckt, wie viel es ihnen offenbar bedeutet, einem Gast das zu geben, was sie haben. Es war nicht immer einfach, all das einfach so anzunehmen. Geld oder das Angebot, auf dem Bazaar etwas einzukaufen, wurde jeweils konsequent abgewiesen.

 

Man hat in punkto Essen hier sicher nie Entscheidungsschwierigkeiten! Das Angebot ist sehr begrenzt. Entweder isst man Shashlik (gegrillte Fleischspiesse), Somsa (Teigtaschen, gefüllt mit irgendeinem mysteriösen Fleisch, Hirn oder Fett...), Plov (Reis) oder Suppe. Dazu gibt es immer Weissbrot, das hier aussieht wie ein zu gross geratener Doughnut ohne Loch in der Mitte. Wenn frisch, ist es super, wird leider aber sehr schnell gummig und hart. Ach ja, und Melonen gibt es hier viele, die Strassenränder sind voll davon. Drei Sorten sind im Angebot: Die klassische Wassermelone, eine Rugbyball-förmige Honigmelone, die knackig wie eine Gurke ist (gibt es bei uns leider nicht) und eine gelbe, kugelrunde Honigmelone. Leider sind die Dinger zu gross und zu schwer, um sie länger auf dem Velo zu transportieren und so mussten wir jeweils eine ganze Melone auf einmal tilgen. Nun, in Kirgistan solls dann leckere Nudels mit Gemüse geben, haben wir vernommen... darauf freuen wir uns schon!

 

Ja, und Usbekistan ist das Land der vielen Geldnoten! Die höchste Note hier hat einen Wert von etwa 70 Rappen. Es ist also völlig normal, ständig einen Plastiksack mit  Noten mit sich rumzutragen, denn in ein gewöhnliches Portemonnaie passen diese unmöglich rein. Möchte man ein Hotel bezahlen, das pro Nacht gerne mal 25 Fr. kosten kann, zählt man da einen beträchtlichen Stapel an Geld ab. Die Usbeken stellen sich beim Geld zählen unglaublich schnell und geschickt an, so dass man beim blossen Zuschauen mit Zählen nicht mehr nachkommt... die lernen das in der Schule, wer weiss. Jedenfalls ist da eine geschickte Handbewegung im Spiel, die wir in den drei Wochen nicht nachzuahmen gelernt haben;-)

 

Turkmenistan

Matthias, 27. August 2009

 

Beim Turkmenischen Konsulat in Mashad haben wir Christoph und Katharina  (www.grandtour.at) getroffen, beide in Veloschuhen, also „Artgenossen“, wir haben Mashad also zu viert verlassen und sind gemeinsam nach und durch Turkmenistan geradelt. Die 2 Tage bis zur Grenze waren super, deutlich weniger befahrenen Strassen, allerdings Gegenwind.

 

Die Grenzüberquerung war weniger kompliziert als erwartet, die Mädels nehmen die Kopftücher ab und montieren die kurzen Hosen. Nach der Einreise haben wir dann aber die falsche Strasse erwischt und hätten uns beinahe so einige Extrakilometer eingehandelt. Wir konnten die 4 Velos und uns in einen Kleinbus packen, bis nach Mary (ca. 100 km) fahren und dort sogar noch bei einer Familie übernachten, wir sind von der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Turkmenen begeistert, wir reden mit Händen und Füssen.

 

Hinter Mary kommt 220 km Wüste,  nur wenige Dörfer um Wasser, Tomaten, Brot usw. einzukaufen. Wir trinken je 8 l Wasser am Tag. Wir übernachten neben oder in Restaurants die die Truckfahrer hier versorgen, alle sind herzlich und helfen uns. In der Wüste herrscht immer  noch meist Gegenwind, die Hitze (bis 45 Grad) ist erträglicher als wir dachten. Die Radlerei durch die Wüste ist auch gar nicht so einsam, es gibt Kamele, Wüstenmäuse und  Melonenverkäufer und eben ab und zu ein kleines Dorf. Am vierten Tag erreichen wir Turkmenabad, eine Sowiet geprägte Stadt, ohne Stadtkern oder Charakter. Aber Duschen gibt’s da und das reicht uns erstmal. Es hat uns gut gefallen in Turkmenistan, wir haben nur wenig Zeit gekriegt (Transitvisum, 5 Tage Aufenthalt) und konnten uns nicht richtig einleben. Es gibt hier 3 Währungen im Umlauf, Dollar, Manat und New Manat, letztere werden je zu offiziellen und inoffiziellen Raten gewechselt, wir hatten am Schluss den Eindruck dass wir es langsam überblicken. Am fünften und letzten Tag verlassen wir Turkmenabad und fahren die 30 km Richtung Grenze nach Usbekistan, wir können ohne Probleme aus und einreisen.

 

Was haben die Turkmenen: Gute Autos, holprige Strassen, Melonen, komische Geldwechselkurse,  Sandstürme, Goldzähne, goldene Statuen vom Turkmenbaschi, Vodka.

Was haben die Turkmenen nicht: Fliessendes Wasser, Käse, Angst ihre Goldzähne zu zeigen, alle 30 km Polizeikontrolle wie so oft angekündigt, Korrupte Grenzbeamte und Polizisten die Geld wollen.

Iran

Daniela, Dienstag, 18. August 2009

 

Schon in wenigen Tagen neigt sich unsere Zeit im Iran dem Ende zu und wir radeln Richtung Turkmenistan... jetzt, wo ich mich endlich an das Kopftuch und die langen Kleider gewöhnt habe;-). Um ehrlich zu sein, freu ich mich auf den Moment, wo ich nach der turkmenischen Grenze wieder einmal kurzärmlig und ohne bedeckten Hauptes mich in der Öffentlichkeit bewegen darf!

Wir haben in den drei Wochen verschiedene Facetten des Iran kennen gelernt, Schönes sowie Unschönes. Das ist wohl immer so, aber dennoch würde ich behaupten, dass man in diesem Land etwas länger als anderswo braucht, bis man hinter die Fassaden des öffentlichen Lebens auf der Strasse sieht oder eben die Gelegenheit dazu bekommt.
Die in den schwarzen Tschador gehüllten Frauen, die wie schwarze Vögel durch die Strassen flattern, haben anfänglich etwas Beängstigendes. Der absolut verrückte und rücksichtslose Verkehr jagt einem Angst und Schrecken ein und beim Überqueren einer Strasse als Fussgänger muss man hier die Zehen einziehen, damit kein Auto drüber rollt.
Dass hier Frauen und Männer in einem öffentlichen städtischen Bus getrennt einsteigen müssen (Männer vorne, Frauen hinten) löst in uns Westlern Kopfschütteln aus.
Ja, und dass man hier nichts mehr lesen kann und auch nur selten eine Person antrifft, die ein bisschen Englisch kann, macht einen manchmal etwas hilflos.
Rial oder Tuman? Auch das ein Riesenverwirrnis am Anfang, denn bezahlt wird in Rial und geredet wird aber von Tuman. Eine Zehnerpotenz Unterschied liegt dazwischen, dennoch drückt sich da jeder wieder etwas anders aus und es liegt am Kunden (oder eben uns unerfahrenen Nichtiranern) den genannten Betrag richtig zu deuten. Doch wie deutet man das, wenn der Taxifahrer drei Finger in die Luft hält? 30 Rial können es nicht sein... Verlegen wühlt man da in den vielen Noten und hofft, die richtige zu zücken.
Ja, und ich als Frau habe auch merken müssen, dass das hier eine Männerwelt ist. Es sind die Männer, die man in den Bazars und in den Shops arbeiten sieht und es sind die Männer, die reden oder uns ansprechen. Falsch: Matthias wird belagert und angesprochen, während man mir als Frau in der ersten Gesprächsphase kaum Beachtung geschenkt. Erst nach wenigen Minuten werde ich ebenfalls ins Gespräch integriert und die Männer merken, dass eine westliche Frau auch ganz normal reden kann...;-) Auch Hände schütteln darf man hier als Frau einem Mann nicht. Auch dies habe ich erfahren müssen, als ein Mann seine Hand zurückzog, als ich ihm zur Verabschiedung die Hand reichen wollte.

Neben den anfänglichen Verwirrtheiten und manchmal etwas beklemmenden Gefühlen, haben wir doch auch ein eindrückliches und wunderschönes Iran mit herzlichen und hilfsbereiten Menschen kennen lernen dürfen. Wir haben gemerkt, dass hier nicht nur verrückte Autofahrer gibt, sondern dass die Iraner ausshalb ihres Gefährtes sehr gastfreundlich und hilfsbereit sind. So wurde uns unzählige Male auf der Strasse von wildfremden Leuten (natürlich immer Männer) Getränke, Kaugummi, Brot, Kuchen oder Tee angeboten. Kaum halten wir mit Velo irgendwo an, sind wir (oder eher Matthias) binnen Sekunden von mindestens 15 Leuten (Männern) belagert, die und in ihrem unverständlichen Farsi mit Fragen bombardieren und wild durcheinander reden. Alle wollen helfen, uns den Weg zu zeigen oder ein Hotel zu finden. Ja, und wir haben auch merken müssen, dass man in diesem Land nicht nur Kabab und Reis und Brot isst - wie in den meisten Restaurants - sondern dass in den Küchen der Privathaushalte wunderbare und variantenreiche Köstlichkeiten gekocht werden! Auch in diesen Genuss sind wir gekommen, denn sonst hätte ich jetzt an dieser Stelle die iranische Küche als äusserst langweilig und phantasielos abstempeln müssen.

Es ist ausserdem entspannend, in einer Familie auch mal unverhüllte Frauen zu sehen und zu merken, dass hinter den Haustüren auch ein unverkrampftes, kopftuchloses Leben stattfindet.

 

Mit insgesamt etwa acht Tagen auf dem Velo, sind wir hier relativ wenig gefahren und haben manche Distanzen per Bus zurückgelegt. Zum einen wollten wir unbedingt noch ein paar Städte, wie Esfahan und Yazd besuchen, die nicht auf unserer Route liegen, aber äusserst sehenwert sind. Zum anderen hat uns der ständige Regen an der Küste des kaspischen Meeres nicht gerade motiviert, dort weiter zu radeln, so dass wir irgendwann auf den Bus gesprungen und nach Mashad gefahren sind. So, und da sind wir also, in Mashad und haben heute unser Turkmenistanvisum erhalten! Mit dem Beginn des Ramadans hier, was uns sowieso ein paar Unbequemlichkeiten bezüglich Nahrungsbeschaffung während des Tages hätte bescheren können, verlassen wir den Iran am nächsten Samstag und nehmen in nur fünf Tagen (Transitvisum) Turkmenistan in Angriff. Zurückblickend war unsere Zeit im Iran äusserst interessant und schön und mit tatsächlich sage ich mit einem weinenden Auge: Chodaves Iran, salam Turkmenistan!

 

Tuerkei

Daniela, Donnerstag, 4. August 2009

 Çai, çai ruft es ständig vom Strassenrand. Wir halten an, steigen vom Velo ab und halten schon einen heissen Tee in den Händen. Die Türkei haben wir wahrlich als Land des Çai-Tees kennen gelernt; es ist ein Zeichen der Gastfreundschaft einem Gast einen Tee anzubieten, der in hübschen, kleinen, geschwungenen Gläschen und mit viel Zucker serviert wird. Immerhin hat man noch die Wahl, ob überhaupt und wie viel Zucker man in den Tee reintun möchte. Obwohl wir lediglich drei Wochen in der Türkei verbracht haben, so haben wir unzählige Gläschen Çai-Tee getrunken, wie viele Liter Tee das waren, wüsste ich zu gerne. Und wir haben längst nicht alle Tee-Angebote wahrgenommen, denn sonst wären wir wohl gar nicht mehr vorwärts gekommen.

 

Wir haben Istanbul mit einer Fähre den Bospurus hoch verlassen und sind der Schwarzmeerküste entlang geradelt, was sich als einiges anstrengender als angenommen herausgestellt hat. Die Küste ist unglaublich hügelig und es geht kaum einen Meter geradeaus. Hinzu kam auch die Hitze, die glücklicher- oder eben auch unglücklicheweise – je nach Windrichtung – von einem mehr oder weniger starken Wind etwas gemildert wurde. Aufgrund der recht anstrengenden Umstände und der doch hübschen Küstenörtchen, sind wir relativ gemütlich eine Woche der Küste entlang getuckert und auch mal irgendwo geblieben, wo es uns gefallen hat. Nun, wir haben aber auch erfahren dürfen – und das erst noch im Zelt! - dass es auch in kaum vorstellbaren Ausmassen regnen kann am Schwarzen Meer. In Akçakoca angekommen, entschieden wir uns nach einem kurzen Hin- und Her für das Zelt statt Hotel. Ein hübscher Campingplatz mit wunderbarer Aussicht aufs Meer lud zu dieser Entscheidung ein. Leider war es nicht die ideale Entscheidung... In der Nacht brach buchstäblich die Sintflut über uns aus – es schüttete während Stunden in Strömen und mitten in der Nacht  wurde uns plötzlich klar, dass unser Zelt in einem knöcheltiefen See schwamm und das Wasser allmählich von allen Seiten ins Zelt einzudringen begann. Dem genialen Wasserabflusssystem sei dank. In einer wilden Aktion retteten wir also mitten in der Nacht all unser Hab und Gut vor dem Wasser und flüchteten in die überdachten Toiletten-Anlagen, was zwar gemütlichkeits- und geruchsmässig nicht gerade einladend war, aber immerhin einigermasse trocken!

 

Per Bus gelangten wir am nächsten Tag – alles immer noch feucht – nach Ankara. Wir hatten in Istanbul das Usbekistan- und das Turkmenistanvisum beantragt, die wir in Ankara noch abholen wollten. So einfach war das allerdings nicht, doch immerhin, nach einer tägigen Botschaftstour (überall mussten wir mindestens zweimal vorbei) hatten wir am Ende immerhin das Usbekistan-Visum in den Händen! Die Turkmenen lassen noch immer auf sich warten...

Da wir Anfang August unbedingt in den Iran einreisen wollten, um unseren Zeitplan etwa einhalten zu können, nahmen wir von Ankara aus den Nachtbus in den Osten des Landes, nach Dogubeyazit. Dies ist die letzte grosse Stadt vor der iranischen Grenze, im Hintergrund der Stadt thront stolz der Mt. Ararat, Türkeis höchster Berg. Hier traffen wir auf erstaunlich viele Touristen, sogar – oh Wunder -  drei andere Fernradler! Sightseeing, Geld wechseln, Velos rüsten, Kopftuch bereit legen... und noch jede Sekunde geniessen, wo ich noch unverhüllt durch die Strassen gehen durfte;-) - und dann, am 1. August: Ab in den Iran!

 

 

 

 

Istanbul

Daniela, Montag, 20. Juli 2009

Seit einer Woche weilen wir nun in Istanbul. Für mich der erste, noch sanfte Vorgeschmack der islamischen Welt! Matthias hat sich da ja auf dem Landweg schon ein bisschen an all das Östliche und Islamische gewöhnen können.

Istanbul ist eine faszinierende Stadt, Islam und westliche Welt prallen hier zusammen. Wunderschöne Moscheen prägen die Stadtsilhoutte (besonders in der Abendsonne erinnert die Stadt an 'Tausend und eine Nacht'), Muezzins singen und rufen ihre Gebete durch die Strassen nachts um halb elf oder morgens um fünf (was unseren holden Schlaf doch manchmal etwas stört...), eine klare Männerdominanz in den Strassen und vor allem in den Teesalons ist bemerkbar (wo sind all die Frauen?), wir haben eine erste Kebap-Überdosis, der wunderschöne Bosporus lädt zum Verweilen ein und die viele Touristen zu dieser Jahrzeit sind ebenfalls nicht zu übersehen!

Wir haben uns in den letzten Tagen mit der Visumsbeschaffung für die Zentralasiatischen Länder rumgeschlagen und mussten da 5 Tage auf Bescheid warten. Die Botschaften liegen ausserdem hübsch verstreut in den unterschiedlichsten und äussersten Stadtteilen von Istanbul. Einerseits ist das natürlich interessant, weil man da in Stadtteile gerät, in die man von sich aus wohl kaum hingeraten würde. Andererseits wird so eine Visumsbeantragung zu einer Tagesbeschäftigung: Die zwei Stunden Öffnungszeiten der Konsulate müssen wohl beachtet werden, man braucht für die Hin- und Rückfahrt alleine zwei bis drei Stunden, je nach Verkehr und einem gelegentlichen 'Verfahrer' als ungeübte Istanbuler wie wir es sind ;-), die Botschaften lassen einen auch gerne mal draussen vor der Tür ein bisschen warten oder ein unglaublicher Platzregen verunmöglicht jegliches Weiterkommen, so dass man erst mal eine halbe Stunde irgendwo unterstehen muss... Die Kirgisen scheinen am unkompliziertisten zu sein: Innerhalb von 5 Tagen hatten wir heute das Kirgistan-Visum in den Händen! Bei den Usbeken und den Turkmemen scheint das Ganze etwas länger zu gehen... Unsere Weiterreise wird uns daher bestimmt über Ankara führen, wo wir bezüglich dem Usbekistan und Turkmenistan-Visum nochmals nachhaken müssen.

 

Morgen geht es aber endlich ab auf den Sattel, der Küste des Schwarzen Meeres folgend. Endlich! 

Reisevorbereitungen

Seiran zusammenbauen

Das in seine Einzelteile zerlegte Liegevelo von Matthias. Einen ganzen Tag Arbeit war es, das Seiran zusammen mit Pius zusammenzubauen. Vorteil ist nun, dass Matthias nun jede Schraube seines Gefährts kennt und ihn unterwegs wohl keine Panne ins Schwitzen bringen kann. So lasst uns hoffen ;-)

Testtour nach Schaffhausen

Mit Vollbepackung und viel Unnötigem für die zwei Tage sind wir von Zürich nach Schaffhausen geradelt, um einen ersten Vorgeschmack zu erhalten, wie sich das Pedalen mit Gepäck so anfühlt...